Lilly LETTER #4 2024Lilly

 PSA HAT VIELE GESICHTER  
 

Mit Haut und Haar – und Nägeln 

Die Psoriasis Arthritis (PsA) gilt als das Chamäleon unter den rheumatischen Erkrankungen und ist sehr anspruchsvoll in der Begleitung der Menschen. Die Krankheit geht oft – manchmal erst spät im Verlauf – mit einer Schuppenflechte einher und nicht immer an direkt offensichtlichen Stellen. Worauf können Sie achten und wie können Sie den Menschen im Umgang helfen? Wir sprachen dazu mit Dr. Andrea Schlöbe, Dermatologin und Executive Director-Medical Affairs Dermatology bei Lilly Deutschland. 

Welche Zusammenhänge bestehen zwischen der Psoriasis Arthritis und der sogenannten Psoriasis vulgaris (Schuppenflechte)? 
Dr. Schlöbe: Bei einem Großteil der Menschen mit Psoriasis Arthritis tritt eine Hautbeteiligung ein. Oft ist diese vor den Gelenkbeschwerden erkennbar, manchmal tritt sie gleichzeitig auf und mitunter zeigt sich die Schuppenflechte auch erst später. Aus rheumatologischer Sicht steht im Vordergrund, die Gelenkbeteiligung wirksam zu behandeln, denn es handelt sich um eine destruktive Arthritis. Wenn nicht bei Zeiten und konsequent therapiert wird, kann das Gelenk komplett und irreversibel zerstört werden. Allerdings ist die Erkrankung mit den nun verfügbaren innovativen Behandlungsformen, z. B. Biologika, mittlerweile sehr gut behandelbar. Dem gegenüber hat das Hautproblem vermeintlich nicht so starke Konsequenzen, jedoch wird es dadurch auch schnell unterschätzt. Für die Menschen mit Hautbeteiligung hat es aus meiner praktischen Erfahrung als Ärztin oft einen viel größeren Einfluss auf die Psyche und die Lebensqualität als die rheumatischen Beschwerden. Es gibt auch Untersuchungen, dass Menschen mit einer Schuppenflechte eine ähnlich stark eingeschränkte Lebensqualität haben wie Menschen mit schwerwiegenden allgemeinen Erkrankungen nach einem Herzinfarkt, bei Diabetes mellitus und ähnlichen.1,2 
Dr. med. Andrea Schlöbe ist Fachärztin für Dermatologie und Allergologie. Nach dem Studium war sie mehrere Jahre in der dermatologischen Klinik der Universität Freiburg tätig, bevor sie verschiedene Positionen im Bereich der klinischen Forschung in pharmazeutischen Unternehmen übernahm. 2017 wechselte sie zur Lilly Deutschland GmbH und ist seit 2021 Executive Director-Medical Affairs Dermatology im Fachbereich Immunologie. 

Warum sind die Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Psyche so groß? 
Dr. Schlöbe: Die Schuppenflechte kann zum einen stark jucken und leider auch entstellend sein. Die Menschen schämen sich dafür. Wer sich nicht auskennt, denkt leicht, dass die Krankheit ansteckend ist. Die Betroffenen ziehen sich daher oft zurück und scheuen den Kontakt. Besonders schlimm ist es, wenn sich die Psoriasis an exponierten Stellen wie den Fingernägeln zeigt. Ich habe zum Beispiel einen Bäcker erlebt, der aufgrund seiner Nagelpsoriasis seinen Arbeitsplatz verloren hat. Oder die Genitalpsoriasis – darüber reden die Menschen nicht gerne und das kann leicht in der rheumatologischen Praxis in den Hintergrund geraten. Die Rheumatologische Fachassistenz (RFA) kann sehr viel dazu beitragen, den Betroffenen zu helfen – im direkten Umgang mit den Beschwerden und auch bei der Kontaktvermittlung an eine dermatologische Praxis. Die gute Nachricht: In der Regel lässt sich die Schuppenflechte mittlerweile gut behandeln. 

Wie kann die RFA den aufmerksamen Blick auf mögliche Anzeichen einer Hautbeteiligung in die Routine des Patientengesprächs etablieren? 
Dr. Schlöbe: Wenn die Schuppenflechte offensichtlich ist, wäre es gut, aktiv nachzufragen, ob die Patientin oder der Patient bereits in dermatologischer Behandlung ist. Denn häufig scheuen sich die Menschen, das Thema aktiv anzugehen und brauchen den Stupser von außen. Ihnen mitzugeben, dass sie medizinische Hilfe bekommen können, kann unbedingt helfen. Darüber hinaus wäre es sehr wichtig, wenn die RFA in der Anamnese und auch in weiteren Gesprächen regelmäßig hinterfragt, ob Hautprobleme aufgetreten sind. Erst einmal allgemein, aber dann auch möglichst konkret. Wie sieht es auf der Kopfhaut aus und haben Sie im Genitalbereich Veränderungen festgestellt? Wenn ja, dann am besten gleich die Infos ins ärztliche Gespräch mitgeben und die Überweisung an die dermatologische Praxis empfehlen.  

Gibt es Anzeichen, wo die RFA auch selbst die Anfänge einer Hautbeteiligung erkennen kann? 
Dr. Schlöbe: Speziell bei der Nagelbeteiligung ist es wichtig, möglichst früh zu erkennen, wenn Veränderungen auftreten. Ist der Nagel erst einmal zerstört, ist eine Behandlung viel schwieriger. Daher gehört ein Blick auf die Fingernägel – die auch deutlich häufiger als die Zehnägel betroffen sind – idealerweise in jedes Patientengespräch. Sogenannte Tüpfelnägel sind typische Anzeichen für die Nagelpsoriasis. Das sind punktförmige Grübchen in der Nagelplatte. Charakteristisches frühes Merkmal sind außerdem die sogenannten Ölflecken. Das sind gelb-bräunliche Verfärbungen unter dem Nagel. Weiter fortgeschritten lösen sich die Nägel teilweise ab – Onycholyse genannt – und können unter Umständen auch vollständig zerstört werden. Sind Symptome vorhanden, sollten diese unbedingt ärztlich abgeklärt werden. Es lassen sich den Patientinnen und Patienten aber schon erste Tipps mitgeben: Die Nägel vorsichtig kurz schneiden, immer nach dem Waschen gut abtrocknen und eine rückfettende Lotion einmassieren. Bei beanspruchenden Arbeiten am besten Handschuhe tragen.  
    
    
Auf einen Blick: Nagelpsoriasis oder Nagelpilz? 
 
    Nagelpilz tritt vornehmlich an Fußnägeln auf, die Nagelplatte verdickt sich und das Nagelwachstum      ist eher verlangsamt. Bei Nagelpsoriasis sind überwiegend die Fingernägel betroffen, die Nägel       
    wachsen schneller und typisch sind Tüpfelnägel sowie Ölflecken. 
 

Die Genitalpsoriasis ist nicht offensichtlich und immer noch häufig ein Tabuthema. Haben Sie Tipps, wie sich das Thema ansprechen lässt? 
Dr. Schlöbe: Am besten gar nicht zu einem besonderen Thema machen und offen, sachlich, neutral im Rahmen der gesamten Statusermittlung ansprechen. Wenn nach Anzeichen der Schuppenflechte am Kopf, an den Ellenbögen, an den Nägeln gefragt und geschaut wurde, lässt sich gut ergänzen: „Die Schuppenflechte betrifft bei vielen Menschen auch den Genitalbereich: Haben Sie das auch bei sich beobachten können?“ Je normaler mit dem Thema umgegangen wird, umso leichter ist das für die Betroffenen. Die Areale im Genitalbereich lassen sich mittlerweile sehr gut behandeln und die Therapie gehört auch hier in dermatologische Hände. Doch zur Linderung der Beschwerden können die Patientinnen und Patienten auch selber schon einiges machen. 

Welche Tipps können Sie konkret nennen? 
Dr. Schlöbe: Zu empfehlen ist luftige, nicht enganliegende Kleidung. Die Unterwäsche sollte atmungsaktiv sein und nicht scheuern. Eine gute, aber sanfte Intimpflege ist wichtig – von der Intimrasur ist abzuraten. Die Beschwerden lindern können Sitzbäder mit Gerbstoffen. Wichtig ist, den Betroffenen mitzugeben, dass sie mit Cremes und Lotionen vorsichtig sein und fachlichen Rat einholen sollen. Die Hautbeschaffenheit im Intimbereich ist eine andere als beim restlichen Körper. Daher sollten hier nicht die gleichen Cremes zum Einsatz kommen wie zum Beispiel für die Schuppenflechte am Ellenbogen. Speziell mit Kortison ist besondere Vorsicht geboten.  
     
     
Besonderheiten Genitalpsoriasis   
 
     Die Stellen sind in der Regel gut abgegrenzt, rot, glänzend und es fehlen meist die     
     charakteristischen Schuppen. Sie jucken häufig unerträglich und nässen oft. Männern sind stärker
     betroffen als Frauen und Übergewichtige sind besonders gefährdet.  
 

Haben Sie auch praktische Tipps, was die Menschen tun können, um Beschwerden der Kopfhaut-Psoriasis zu lindern? 
Dr. Schlöbe: Sehr gute Erfahrung habe ich mit der Methode gemacht, die wir in der Klinik Olivenöl-Kappe genannt haben. Damit lässt sich der oft quälende Juckreiz lindern und auch die Schuppung reduzieren. Dabei wird Olivenöl über Nacht auf den gesamten Kopf aufgetragen und ein Baumwollstrumpf oder -tuch darüber gezogen. Damit lösen sich über Nacht wunderbar die Schuppen ab und am nächsten Morgen lassen sie sich mit einem sanften, milden Shampoo rauswaschen. Es eignen sich zum Beispiel Schuppenshampoos, die leicht rückfettend sind. Als Olivenöl kann man das ganz normale Öl aus der Küche nutzen, es riecht nur recht intensiv. In der Apotheke gibt es auch medizinisches Olivenöl mit einem deutlichen schwächeren Geruch. 

Vielen Dank für das interessante Gespräch und die praktischen Tipps! 
Hinweise und Quellen:

1. Nationale Versorgungsziele Psoriasis; https://www.versorgungsziele.de/hintergrund/ [zuletzt aufgerufen am: 26.05.2025]  

2. Møller et al. A systematic literature review to compare quality of life in psoriasis with other chronic diseases using EQ-5D-derived utility values. Patient Relat Outcome Meas. 2015 Jul 7;6:167-77.  

Bildhinweis: © istock.com/ Daisy-Daisy; Expertinnenfoto © Dr. Andrea Schlöbe 

 

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