Lilly LETTER #4 2024Lilly

 RFA: MEHR ALS ASSISTENZ 

Handeln.Gestalten.  
Auf Augenhöhe.

Delegativ tätig sein und die Patientenversorgung aktiv mitgestalten – diesen Anspruch formulieren immer mehr in der Rheumatologischen Fachassistenz (RFA). Was vor einigen Jahren noch erste zarte Ansätze waren, ist heute in vielen rheumatologischen Praxen gelebte Realität. Doch es gibt auch immer noch viel ungenutztes Potenzial, weiß die erfahrene RFA Patricia Steffens-Korbanka, rheumapraxis an der hase in Osnabrück. Sie verrät im Interview, wie sich das Berufsbild verändert hat, wo noch viel mehr möglich ist und dass mehr Verantwortung die eigene Arbeit bereichert.  
Wie hat sich die Rolle der Rheumatologischen Fachassistenz (RFA) in den vergangenen 10 bis 15 Jahren weiterentwickelt? 
Steffens-Korbanka: Wenn ich auf diese Zeit zurückblicke – und das ist gar nicht so lange her – da gab es noch so gut wie gar keine Delegation in den Arztpraxen. Ganz klassisch hat die so genannte Arzthelferin oder MFA die Anweisungen des Arztes oder der Ärztin befolgt und hatte selbst wenig Entscheidungsspielraum. Mittlerweile arbeiten wir sehr viel mehr auf Augenhöhe. Natürlich hat auch heute der Behandelnde die Entscheidungshoheit, was Diagnose und Therapie betrifft. Aber da, wo Delegation schon aktiv gelebt wird, ist die Zusammenarbeit vertrauensvoll und jede bzw. jeder hat eigene Aufgabenbereiche. Das ist noch nicht in jeder Arztpraxis der Fall, doch es wird häufiger. Wenn ich früher bei Fortbildungen in die Runde fragte, wer schon delegativ tätig ist, blieben die meisten Hände unten. Mittlerweile melden sich immer mehr Kolleginnen und Kollegen – das ist ein sehr gutes Zeichen! 
Patricia Steffens-Korbanka ist gelernte Arzthelferin, Study Nurse sowie Praxismanagerin und seit rund 30 Jahren in der „rheumapraxis an der hase“ in Osnabrück tätig. Die Ausbildung zur RFA absolvierte sie 2006, die Delegation ist ihr ein wichtiges Anliegen. Sie ist 2. Vorsitzende des Fachverbandes rheumatologische Fachassistenz e. V. 

Welche ärztlichen Tätigkeiten können von der RFA übernommen werden? 
Steffens-Korbanka: Damit hat sich vor einigen Jahren eine Ad hoc Kommission intensiv beschäftigt und eine detaillierte Delegationsampel  erstellt.1 Diese führt explizit auf, was delegierbar, was teilweise delegierbar und was gar nicht delegierbar ist. Das steckt für uns den Rahmen ab. Was sicherlich ein wichtiger erster Schritt ist und schon von vielen Kolleginnen und Kollegen aktiv praktiziert wird, ist eine strukturierte Anamnese oder Befunderhebung mittels Gelenkuntersuchung mit Erfassung des DAS28* Scores bei einer rheumatoiden Arthritis oder die Erhebung des BASMI+ Untersuchungsscores für Menschen mit entzündlichen rheumatischen Erkrankungen der Wirbelsäule. Das sind Untersuchungsscores, die man lernen und in der Praxis anwenden kann. Und wir können auch sogenannte Therapievertiefungsgespräche durchführen. Gemeint ist, über die Therapie, die kurz vorher vom Arzt bzw. der Ärztin entschieden wurde, nochmal ins Gespräch zu gehen, Fragen zu beantworten oder auch die Betroffenen zu schulen – z. B. zum Umgang mit einem Pen. Es ist auch möglich, eine orientierende Sonographie oder Kapillarmikroskopie zu übernehmen – nach fundierter Schulung. Grundsätzlich muss man sagen, dass Delegation von Praxis zu Praxis noch sehr unterschiedlich gehandhabt wird und es noch großes nicht ausgeschöpftes Potenzial gibt.

Welche Rolle kommen den RFAs bei der Versorgung von Komorbiditäten zu?   
Steffens-Korbanka: Die Komorbiditäten bei Rheuma im Blick zu halten, ist eine wichtige Aufgabe, die RFAs zunehmend übernehmen können. Bei uns gibt es Kolleginnen, die z. B. darauf achten, dass Patientinnen und Patienten regelmäßig einen Zahnarzttermin haben. Denn der Parodontose-Index kann einen Einfluss auf die rheumatologische Erkrankung haben. Es ist je nach Fall auch darauf hinzuwirken, dass bestimmte Blutuntersuchungen gemacht werden und kardiovaskuläre Risiken sowie ein mögliches Osteoporose-Risiko regelmäßig kontrolliert werden. 

Wo sind die größten Vorteile für eine Arztpraxis? 
Steffens-Korbanka: Wir können durch die Übernahme verantwortungsvoller Aufgaben dem Arzt oder der Ärztin viel Freiraum für andere ärztliche Tätigkeiten, wie Neuaufnahmen oder Notfälle, schaffen. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn unsere in der Assistenz erbrachten Leistungen von den Kostenträgern entsprechend honoriert würden. Das ist noch ein Weg, der vor uns liegt. Allerdings ist nicht zu unterschätzen, wie viel Zeit durch unsere Tätigkeit in der ärztlichen Versorgung gewonnen werden kann. Das sehen wir in unserer Praxis sehr deutlich.
Darüber hinaus kann durch RFA-Kontakte eine engmaschigere Begleitung von Patientinnen und Patienten möglich werden, wie sie zum Beispiel nach den Leitlinien für Treat-to-Target-Konzepte empfohlen werden. Wenn wir bei der Therapiebegleitung mit einsteigen und der Arzt oder die Ärztin nicht mehr alles komplett alleine machen muss, dann lässt sich das Therapiekonzept in der Praxis umsetzen. Ansonsten sind beispielsweise leitliniengerechte Follow-up-Termine innerhalb von sechs Wochen in der Praxisrealität kaum umsetzbar, weil es schlichtweg nicht genug freie Termine gibt.

Dass wir so aktiv dazu beitragen können, die Patientenversorgung zu verbessern, ist für mich übrigens ein ganz entscheidender Motivationsfaktor.

Welche Qualifikationen müssen RFAs mitbringen, um ihre Rolle bestmöglich ausüben zu können?   
Steffens-Korbanka: Die Rheumaakademie hat auf ihrer Website die Inhalte der Ausbildung zur Rheumatologischen Fachassistenz detailliert dargestellt. Der Grundkurs umfasst vier, der Aufbaukurs drei Wochenenden. RFAs werden mit der Ausbildung sehr gut qualifiziert und erhalten umfangreiches Wissen speziell aus der Rheumatologie. Allerdings würde ich eindringlich empfehlen, vor dieser Qualifikation erst einmal eigene Erfahrungen in der rheumatologischen Praxis zu sammeln. Dazu gehört es, dem Arzt oder der Ärztin eine Zeit lang über die Schulter zu schauen und den Umgang mit Patientinnen und Patienten intensiv zu erleben. Mit diesen eigenen Erfahrungen können Zusammenhänge besser erkannt und das Wissen aus der Fortbildung ganz anders aufgenommen werden. 

Mit welchen Tools arbeiten RFAs im Praxisalltag, die ihnen die Arbeit erleichtern können?  
Steffens-Korbanka: Die Digitalisierung hält immer weiter Einzug und es gibt so viele Tools, dass dies einen eigenen Beitrag wert wäre – ob es die digitalen Datenschutzerklärungen, Anamnesebögen oder der Telefon- bzw. Terminassistent sind. Eine Software-Neuigkeit hat mich allerdings aktuell sehr beeindruckt: die KI-gestützte Gesprächsführung. Während wir unsere Patientengespräche führen, läuft die KI im Hintergrund mit und erstellt daraus die komplette Dokumentation im Computer. Natürlich gehen wir gegenüber den Patientinnen und Patienten transparent damit um, Fragen zum Datenschutz sind geklärt und die finale Kontrolle liegt bei uns. Aber die Genauigkeit ist faszinierend und die Arbeitsentlastung ist enorm! Es lohnt sich daher, offen für neue Entwicklungen zu sein und aktiv zu prüfen, ob sich das in der eigenen Praxis umsetzen lässt.

Welchen Stellenwert haben digitale Informationen bei Ihnen?   
Steffens-Korbanka: Ein sehr praktisches Tool ist die Wissensdatenbank DiRhIS (Digitales Rheumatologisches Informationssystem). Dabei handelt es sich um eine digitale Bibliothek mit hochwertigen, patientengerechten Informationen zu rheumatischen Erkrankungen. Jede RFA kann sich kostenfrei registrieren und Zugriff erhalten. So können wir im Gespräch mit der Patientin oder dem Patienten ganz leicht auswählen, welche Informationen im individuellen Fall nützlich sind. Die Inhalte lassen sich mit wenigen Mausklicks zusammenstellen und entweder per Mail senden oder einen QR-Code generieren, worüber sich die Inhalte herunterladen lassen. Das braucht wenig Zeit und ist komplett papierlos. 

Wie erfolgt der Austausch innerhalb der Praxis? 
Steffens-Korbanka: Eine gute Kommunikation im Team ist das A und O. Bei uns gibt es monatlich Teambesprechungen sowohl im Führungsteam als auch im gesamten Team. Darin wird über Neuerungen informiert und auch die Umsetzung besprochen. An diesem Tag bleibt unsere Praxis geschlossen, damit wir uns darauf konzentrieren können. Neben den Besprechungen gibt es am Teamtag auch regelmäßig Vorträge von unseren Ärztinnen und Ärzten zu neuen Erkenntnissen, die für alle oder Ausgewählte im Team relevant sind. Gibt es einmal wichtige Themen zwischendurch, dann gibt es zusätzliche Besprechungen – doch in der Regel reicht das monatliche Treffen. Für kurzfristige Abstimmungen sind wir außerdem über diverse Chatgruppen im Austausch.  
 
Liebe Frau Steffens-Korbanka, vielen Dank für die interessanten Einblicke!   
Fußnoten und Quellen: 

*DAS28 (Disease Activity Score 28): Bewertungssystem zur Messung der Krankheitsaktivität bei rheumatoider Arthritis

+BASMI (Bath Ankylosing Spondylitis Metrology Index): Untersuchungsscore für Menschen mit entzündlichen rheumatischen              Erkrankungen der Wirbelsäule

 
  1. Krause A. et al. Delegation ärztlicher Leistungen in der Rheumatologie. Z Rheumatol 2020;79:123-131. https://www.springermedizin.de/delegation-aerztlicher-leistungen-in-der-rheumatologie/17741820, zuletzt aufgerufen am 23.01.2026. 


Bildhinweis: © istockphoto.com/Caiaimage/Trevor Adeline; © Expertinnenfoto: Patricia Steffens-Korbanka

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