Lilly LETTER #4 2024Lilly

 DiRhIS IM PRAXISTEST 

Mehr Zeit für
Patientenfragen

Digitale Patienteninformation kann mehr sein als ein zusätzlicher Kommunikationskanal: Sie kann RFAs und MFAs im Praxisalltag spürbar entlasten. DiRhIS (siehe Infobox) bündelt qualitativ geprüfte Informationen zu rheumatologischen Erkrankungen. Mit wenigen Klicks lassen sich daraus individuelle „Infozepte“ für Patientinnen und Patienten zusammenstellen. Wie das in der Praxis funktioniert und erlebt wird, welche Schnittstellen zu RheDAT und Managementsystemen bestehen und was sich aktuell weiterentwickelt, erklärt Bernd Ganser von medicstream im Interview.
Herr Ganser, bevor wir auf die praktischen Erfahrungen eingehen: Was ist der Kerngedanke des „Digitalen Rheumatologischen Informationssystems“, kurz DiRhIS?

Bernd Ganser: DiRhIS ist eine digitale Bibliothek für die Patienteninformation in der Rheumatologie. Das Prinzip ist einfach: Statt Patientinnen und Patienten mit einer Fülle von Informationen aus dem Internet allein zu lassen, können RFAs und MFAs darin gezielt hochwertige Inhalte auswählen und digital weitergeben.

Das Besondere ist, dass DiRhIS geprüfte Informationen verschiedener Fach- und Patientenorganisationen an einem Ort bündelt. Neben Texten stehen auch Videos und Audios zur Verfügung. Die Inhalte lassen sich passend zur jeweiligen Situation als sogenanntes individuelles Infozept zusammenstellen und beispielsweise per Link, E-Mail oder QR-Code übermitteln.

 
Bernd Ganser Bernd Ganser ist Mitgründer und Geschäftsführer der medicstream GmbH sowie Mitinitiator des Projekts DiRhIS. In dieser Funktion treibt er die Entwicklung digitaler Lösungen für Patienteninformation und Arzt-Patienten-Kommunikation in der Rheumatologie voran. Der studierte Chemiker war zuvor in verschiedenen Positionen der Pharmaindustrie tätig und absolvierte berufsbegleitend einen Master in Healthcare Management.

Was nutzt das konkret RFAs und MFAs im Praxisalltag?

Bernd Ganser: Wir hören aus der Praxis, dass viele Gespräche immer wieder in ähnlicher Form ablaufen: zum Beispiel Grundinformationen zur Erkrankung, Medikation, Impfungen oder Schwangerschaft. DiRhIS kann und will diese Gespräche nicht ersetzen, aber deutlich verkürzen. Statt jedes Mal Broschüren zu suchen oder dieselben Grundlagen ausführlich zu erklären, lassen sich mit wenigen Klicks aus einem Pool fachlich geprüfter Inhalte individuell passende Informationen auswählen und digital weitergeben.

Manchmal reicht auch die Zeit im Termin nicht aus, um ein wichtiges Thema, beispielsweise Ernährung – durchzusprechen. Dann kann man ein speziell darauf zugeschnittenes Infozept mitgeben. So bleibt im persönlichen Gespräch mehr Raum für individuelle Fragen. Auf jedem dieser Infozepte erscheint die Praxisadresse, auf Wunsch auch das Praxislogo. Damit ist für Patientinnen und Patienten klar: Diese Informationen wurden von meinem Behandlungsteam ausgewählt und sind geprüfte, hochwertige Inhalte.

Und es muss auch nicht immer der Rechner im Einsatz sein: Für häufige Standardthemen empfehlen wir Praxen vorab QR-Codes zu erstellen und auszudrucken. Diese Liste mit den vielleicht 10 wichtigsten Codes kann beispielsweise an der Anmeldung liegen. Wenn Sie zum Beispiel einer Patientin ein erstes Informationspaket zu Psoriasis-Arthritis schnüren wollen, können Sie einfach sagen: „Wir haben die für Sie wichtigsten Informationen zur Krankheit zusammengestellt – über den QR-Code haben Sie direkt Zugriff.“ Die Patientin scannt den Code mit dem Smartphone und hat die zusammengestellten Inhalte unmittelbar zur Hand.


Welche Erkrankungen und Themen sind bereits abgedeckt?

Bernd Ganser: Besonders umfangreich sind derzeit die Informationen zu rheumatoider Arthritis, axialer Spondyloarthritis, Psoriasis-Arthritis und Lupus. Für weitere seltene Erkrankungen gibt es bereits Basisinformationen, beispielsweise zum Sjögren-Syndrom. Die Bibliothek wächst kontinuierlich.

Dabei geht es nicht nur um Erkrankungen und Therapien. Auch Themen wie Ernährung, Impfungen, Schwangerschaft, Reha, soziale Fragen oder Pflegegrad können abgedeckt werden. Ziel ist, Patientinnen und Patienten entlang ihrer gesamten „Patient Journey“ mit verlässlichen Informationen zu unterstützen.


Wie fällt das bisherige Feedback von Nutzenden aus?

Bernd Ganser: Wer damit arbeitet, ist begeistert. Die Informationen sind schnell zusammengestellt und auch Patientinnen und Patienten sind positiv überrascht, wenn die angesprochenen Informationen direkt auf ihrem Smartphone verfügbar sind. Das spart Zeit und hochwertige Inhalte sind garantiert. Unsere größte Aufgabe ist daher, die Praxisteams zu motivieren, mit DiRhIS zu arbeiten. Deshalb ist Aufklärung für uns das A und O, um klar zu machen: Die Einarbeitung geht blitzschnell und die Nutzung ist kinderleicht. 


INFOBOX | DiRhIS kurz erklärt

Die digitale Bibliothek bündelt geprüfte, patientengerechte Informationen zu rheumatologischen Erkrankungen und Alltagsthemen. RFAs, MFAs und Ärzt:innen können daraus mit wenigen Klicks individuelle „Infozepte“ zusammenstellen und per Link, E-Mail oder QR-Code an Patientinnen und Patienten übermitteln. Die Inhalte umfassen Texte, Videos und Audios und sind mit der jeweiligen Praxis gekennzeichnet.

Hinter jedem Inhalt auf DiRhIS steht ein sorgfältiger Auswahlprozess, der Qualität, Aktualität und Verlässlichkeit garantiert. Ein Expertengremium aus Rheumatologinnen sowie Rheumatologen und RFAs prüft jede Information gründlich auf ihre medizinische Validität und Relevanz.

Die Idee entstand aus einer Befragung, nach der sich nur 24 Prozent der Patientinnen und Patienten über ihre Erkrankung gut informiert fühlten. DiRhIS ist ein Projekt des Berufsverbands Deutscher Rheumatologen (BDRh), der BDRh Service GmbH und der medicstream GmbH. Unterstützt wird es unter anderem von dem Fachverband Rheumatologische Fachassistenz. Sponsoren, darunter auch Lilly, ermöglichen die Finanzierung des Projektes und ergänzen die digitale Bibliothek mit nützlichen Informationsangeboten.

Was heißt das konkret: Wie schnell lässt sich DiRhIS erlernen?

Bernd Ganser: DiRhIS funktioniert browserbasiert – eine Softwareinstallation ist nicht erforderlich. Wer mit einem Internetportal umgehen kann, findet sich schnell zurecht. Die Grundidee ist ähnlich wie beim Zusammenstellen eines Warenkorbs: passende Informationsbausteine auswählen, mit wenigen Klicks einen „Infokorb“ erstellen und anschließend entscheiden, wie dieser an die Patientin oder den Patienten übermittelt wird. Das dauert nur wenige Minuten. Die Anwendung erfolgt quasi intuitiv und darüber hinaus bieten wir für alle Einsteigenden kurze Einführungen von etwa 10 bis 15 Minuten an. Mehr braucht es nicht, um DiRhIS anwenden zu können.


Welche Schnittstellen gibt es zu anderen in Rheumapraxen häufig verwendeten digitalen Tools?

Bernd Ganser: Eine wichtige Anbindung besteht bereits an RheDAT, das Dokumentationssystem des BDRh. Darüber kann DiRhIS auch auf Wunsch in verschiedene PVS-Systeme und KISS-Systeme eingebunden werden, wenn die entsprechende Anbindung da ist. Außerdem wird derzeit die Schnittstelle zum Managementsystem RheCORD aufgebaut. Ziel ist ein digitaler Kreislauf: Patientinnen und Patienten können einerseits Informationen von der Praxis erhalten und andererseits beispielsweise Fragebögen digital ausfüllen und zurückübermitteln. Informationen und Dokumentation sollen so stärker miteinander verbunden werden. Wir sind auf der Zielgeraden und zum Herbst sollte die Anbindung an RheCORD stehen.


Welche Weiterentwicklungen haben Sie noch in der Pipeline?

Bernd Ganser: Ein aktuelles in Kooperation mit Lilly durchgeführtes Projekt sind KI-gestützte Videos zu axialer Spondyloarthritis. Getestet wird derzeit mit dem Rheumazentrum Herne, ob Patientinnen und Patienten solche KI-generierten Inhalte akzeptieren und wie gut sie die Informationen aufnehmen. Ein Vorteil wäre, dass Inhalte künftig vergleichsweise einfach in verschiedene Sprachen und kulturelle Kontexte übertragen werden könnten. Die Pilotierung läuft derzeit mit rund 200 Teilnehmenden und die Ergebnisse werden im Herbst erwartet.

Außerdem haben wir die sogenannte Wartezimmer-Kampagne ins Leben gerufen. Die Idee ist, Informationen dorthin zu bringen, wo Patientinnen und Patienten ohnehin Zeit haben: ins Wartezimmer. Praxen können aus verschiedenen Poster-Vorlagen auswählen, beispielsweise zu Ernährung oder Impfungen. Darauf werden die personalisierten DiRhIS-QR-Codes integriert. Das fertige Poster kann anschließend direkt im Wartezimmer aufgehängt werden. Übrigens lassen sich solche QR-Codes auch leicht auf Charts im Praxis-TV einbinden. Die steigenden Nutzerzahlen zeigen das hohe Interesse. Der Wartezimmer-Pilot ist zunächst kostenfrei; bei erfolgreichem Verlauf soll das Angebot weiter ausgebaut werden.

Es ist viel mit DiRhIS möglich und Ideen haben wir noch einige im Köcher!


Vielen Dank für das Gespräch!
 
Bildhinweis: © istockphoto.com/Jacob Wackerhausen; Expertenfoto © Bernd Ganser.

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