Lilly LETTER #4 2024Lilly

 WIE WEIT GEHT DELEGATION? 

Mehr Fachwissen,
mehr Perspektive

Delegation ist in der Rheumatologie längst angekommen. Aber wie weit geht sie in Ihrer Praxis? Und welche Aufgaben könnten Sie als Praxisassistenz übernehmen? Gerade jetzt lohnt sich der Blick auf die eigenen Möglichkeiten: Wer Delegation aktiv mitgestaltet, erweitert den eigenen Handlungsspielraum. Die Weiterbildung zur Rheumatologischen Fachassistenz (RFA) schafft dafür eine starke fachliche Grundlage. 

Wir alle wissen: Die Versorgung steht vor großen Herausforderungen. Umso wichtiger ist es, die Kompetenzen des gesamten Praxisteams gezielt zu nutzen. Für Sie in der Assistenz kann das mehr Verantwortung, zusätzliches Fachwissen und einen noch engeren Kontakt zu den Patientinnen und Patienten bedeuten. 

Delegation schafft neue Spielräume
Delegation heißt dabei nicht, ärztliche Verantwortung zu reduzieren. Vielmehr übernehmen Sie – nach entsprechender Qualifikation – klar definierte Aufgaben nach ärztlicher Anordnung. Diagnose, Therapieentscheidung und andere therapeutische Kernaufgaben bleiben in ärztlicher Hand. 

Eine solide Grundlage dafür bietet die RFA-Weiterbildung. Sie vermittelt rheumatologisches Wissen, stärkt die Sicherheit im Patientengespräch und eröffnet neue Verantwortungsbereiche. Wer fachlich tiefer einsteigt, kann Patientinnen und Patienten besser begleiten, Fragen kompetent beantworten und Veränderungen im Krankheits- oder Therapieverlauf früh wahrnehmen. Gleichzeitig entstehen neue berufliche Perspektiven und mehr Gestaltungsspielraum im Praxisalltag. Aktuelle Kurse und Termine bietet die
Rheumaakademie. 

Was kann die RFA übernehmen?  
Ist die fachliche Grundlage geschaffen, gibt es in der Delegation attraktive Einsatzmöglichkeiten. Eine praktische Einordnung bietet die Delegationsampel.1 Delegierbar sind beispielsweise: 
  • Unterstützung von Arzt/Ärztin bei der Anamneseerhebung durch strukturierte Anamnesebögen
  • Sichtung von Laborbefunden (bei Auffälligkeiten Arzt/Ärztin informieren)
  • Blutabnahmen, Spritzen s.c. und i.m. (einschließlich Impfungen) sowie unter bestimmten Voraussetzungen auch i.v.-Gaben bzw. Durchführung von Infusionen (sofern es sich nicht um Erstgaben handelt)
  • bei stabilem Krankheitsverlauf Durchführung von Verlaufsvisiten mit standardisierter Befunderhebung („Checklisten“)
Weitere Tätigkeiten können – abhängig von Qualifikation, Rahmenbedingungen und ärztlicher Einbindung – unterstützend möglich sein. Dazu zählen z. B.:
  • Unterstützung und Vorbereitung der ärztlichen Diagnostik (z. B. Ausgabe und Besprechung von Frage- und Informationsbögen) 
  • Unterstützung bei der Durchführung eines Gelenkultraschalls
  • Unterstützung bei kapillarmikroskopischen Untersuchungen 
  • Patienteninformation, Mitwirkung bei Schulungen 

Wichtig: Die Delegationsampel ist eine Orientierung, keine pauschale Erlaubnis. Auswahl, Anleitung und Überwachung durch den Arzt bzw. die Ärztin müssen gewährleistet sein.


Wie kann der Einstieg gelingen?
Bevor es losgeht, so der allgemeine Konsens in erfahrenen Praxen, sollten im Team einige grundlegende Fragen geklärt werden: 
  • Besteht bei allen Ärztinnen und Ärzten der Praxis Bereitschaft, Aufgaben zu delegieren?
  • Welche RFAs verfügen über die erforderlichen Kompetenzen – und welche möchten ärztlich delegierte Aufgaben übernehmen?
  • Welche Form der RFA-Beratung passt zum Versorgungskonzept der Praxis?
  • Stehen geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung und welche Zeiten lassen sich dafür sinnvoll einplanen?
„Es ist ganz wichtig, dass die RFA bereit ist für die Delegation und die notwendige persönliche und fachliche Kompetenz mitbringt“,
Dr. med. Anna Buck, Rheumapraxis an der Hase, Osnabrück.

Für eine erfolgreiche Delegation sind nach der Erfahrung von RFAs und rheumatologischen Praxen auch kommunikative und persönliche Kompetenzen entscheidend. Dazu gehören insbesondere:
  • Fundiertes Wissen über die Diagnostik und Therapie rheumatologischer Erkrankungen
  • Erfahrung in der Gesprächsführung, etwa durch die Assistenz bei ärztlichen Gesprächen zur Therapievertiefung oder zur Einleitung einer Biologika-Therapie
  • Freude am direkten Austausch mit Patientinnen und Patienten
  • Sicherheit und Gelassenheit auch in herausfordernden Gesprächssituationen
  • Idealerweise zusätzliche Fortbildungen in Kommunikation und Patientenführung
„Wichtig ist ein sehr gutes Vertrauensverhältnis – wir müssen uns gegenseitig zu 100 % aufeinander verlassen können“,
Dr. med. Stephanie G. Werner, RHIO (Rheumatologie, Immunologie, Osteologie) Düsseldorf.

Im nächsten Schritt, empfehlen erfahrene Praxen und RFAs, sollten die konkreten Rahmenbedingungen festgelegt und die Abläufe in der Praxis verbindlich strukturiert werden. Hilfreich sind dabei:
  • Ein klar definierter Gesprächs- und Verantwortungsrahmen für die RFA
  • Regelmäßige Feedback- und Abstimmungsgespräche zwischen RFA und Arzt bzw. Ärztin
  • Verbindliche Festlegung der Tage und Zeiten für die RFA-Beratung
  • Geeignete Räumlichkeiten für Beratungsgespräche und gegebenenfalls ergänzende ärztliche Gespräche
  • Eine realistische Planung der Zeit, die für den ärztlichen Kontakt benötigt wird
  • Ein klar formuliertes Ziel der RFA-Beratung, beispielsweise mit strukturiertem Fragebogen und Gesprächsleitfaden
„Es empfiehlt sich, die Umsetzung in der Praxis schrittweise anzugehen“,
Dr. Anna Buck.

Klare Rahmenbedingungen geben Sicherheit 
Nach Erfahrungen von bereits in der Delegation tätigen Praxen kann ein sinnvoller Einstieg die RFA-Beratung von gut eingestellten Patientinnen und Patienten sein. In diesem Rahmen kann die RFA beispielsweise eine strukturierte Zwischenanamnese durchführen, Scores erheben, nach neuen Beschwerden, Komorbiditäten und möglichen Therapieproblemen fragen und die Folgerezepte vorbereiten. Anschließend erfolgt ein kurzer ärztlicher Kontakt. Wer mit einem solchen Modell erste Erfahrungen gesammelt hat, kann weitere Verantwortungsbereiche erschließen – etwa die Treat-to-Target-Begleitung nach Beginn einer neuen Therapie oder eine strukturierte Erstkontakt-Beratung für neue Patientinnen und Patienten. 
„Durch die Entlastung kann ich mich auf komplexe Behandlungsfälle konzentrieren und ihnen die Zeit widmen, die sie benötigen“,
Dr. Stephanie G. Werner.

Studien wie DELIVER CARE, ERFASS und StärkeR liefern Hinweise darauf, dass solche teambasierten Modelle bei geeigneten Patientengruppen der Standardversorgung nicht unterlegen sind.2-4 Delegation könnte damit weit mehr sein als eine organisatorische Entlastung. Sie kann die Möglichkeit eröffnen, Kompetenzen im Team gezielt einzusetzen, die Patientenbetreuung weiterzuentwickeln und ärztliche Ressourcen dort zu bündeln, wo sie besonders gebraucht werden.

Jetzt den eigenen Spielraum prüfen 
Machen Ihnen die Erfahrungen Lust zu prüfen, was oder was noch mehr in Ihrer Praxis möglich ist – und wo sich mit einer guten Qualifikation, klaren Zuständigkeiten und verlässlichen Abläufen weitere Spielräume eröffnen lassen? Für Sie könnte das mehr Fachwissen, mehr Eigenständigkeit und neue berufliche Perspektiven bedeuten. Patientinnen und Patienten würden eine zusätzliche kompetente Ansprechperson gewinnen und können von mehr Zeit für ihre Anliegen profitieren. Und die Praxis gewinnt ein Team, das seine Kompetenzen konsequent und sinnvoll nutzt.
Hinweise und Quellen:

  1. Krause A. et al. Delegation ärztlicher Leistungen in der Rheumatologie. Z Rheumatol2020;79:123-131. https://www.springermedizin.de/delegation-aerztlicher-leistungen-in-der-rheumatologie/17741820 [zuletzt aufgerufen am: 22.09.2026]
  2. Kathrin Damm et al. Delegation ärztlicher Aufgaben an nichtärztliche Mitarbeitende: qualitative Analyse von Erfahrungen im Rahmen der DELIVER-CARE Studie. Z. Evid. Fortbild. Qual. Gesundh. wesen (ZEFQ)200(2026)38–48. https://www.zefq-journal.com/article/S1865-9217(25)00208-9/fulltext [zuletzt aufgerufen am: 22.09.2026]
  3. Dietmar Krause et al. Strukturierte Delegation ärztlicher Leistungen bei Patienten mit entzündlichem Rheuma. Dtsch Arztebl Int 2022; 119: 157–64. https://www.aerzteblatt.de/fachgebiete/rheumatologie/strukturierte-delegation-aerztlicher-leistungen-bei-patienten-mit-entzuendlichem-rheuma-51b83796-893e-440b-8173-961731847aeb?tabId=figures [zuletzt aufgerufen am: 22.09.2026]
  4. Juliana Rachel Hoeper et al. Delegation ärztlicher Leistungen an rheumatologische Fachassistenten. Z Rheumatol 2024 ・ 83:407–415. https://link.springer.com/article/10.1007/s00393-023-01403-9 [zuletzt aufgerufen am: 22.09.2026]
 

Bildhinweis: © istockphoto.com/nensuria.

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