Alzheimer-Krankheit Verstehen
Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache von Demenz
Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die das Gedächtnis, Denken und Verhalten beeinflusst. Personen mit der Alzheimer-Krankheit erleben unter anderem subjektive kognitive Störungen, die sich im Laufe der Zeit verschlechtern können.1
Die folgende Abbildung gibt eine Übersicht über die einzelnen Krankheitsstadien und beschreibt typische Auffälligkeiten und Symptome:2-6
Eines der neuropathologischen Merkmale der Alzheimer-Krankheit sind Amyloid-Plaques. Sie resultieren aus der fehlerhaften Prozessierung des Amyloid-Vorläuferproteins, kurz APP, einem Protein, das in der Plasmamembran von Neuronen vorkommt. Der sogenannte Amyloid-beta-Signalweg stellt den Startpunkt der Pathogenese der Alzheimer-Krankheit dar:7,8
- Durch proteolytische Spaltung entsteht aus APP Amyloid-beta (Aβ) in verschiedenen Isoformen, die in unterschiedlichem Ausmaß zur Aggregation neigen.
- Diese Proteinaggregate bilden nicht lösliche Fibrillen, die sich im Gehirn von Patient:innen als extrazelluläre Amyloid-Plaques, auch neuritische Plaques genannt, ablagern.
- Gleichzeitig kommt es zur Hyperphosphorylierung des Tau-Proteins in Form intrazellulärer Neurofibrillen.
Diese Prozesse beginnen bereits 15 bis 20 Jahre bevor Patient:innen erste Symptome bemerken und können schon in einem sehr frühen Krankheitsstadium mittels Biomarker-basierter Verfahren aufgedeckt werden.2,9,10
Mit etwa 60–80 % der Demenzfälle ist die Alzheimer-Krankheit die häufigste Demenzform. Das zeigt auch die Abbildung zur prozentualen Verteilung verschiedener Formen von Demenz.3
Gehirngesundheit
Jeder Mensch wünscht sich, seine kognitiven Fähigkeiten möglichst bis ins hohe Alter zu bewahren. Denn sich im Alltag selbstständig zurechtzufinden, am Leben teilzuhaben und die Zeit mit Familie und Freunden unbeschwert genießen zu können, ist Teil eines erfüllten und glücklichen Lebens. Nachfolgend finden Sie einige Inhalte dazu, wie Sie die Gehirngesundheit Ihrer Patient:innen im Praxisalltag thematisieren, wie Sie (modifizierbare) Risikofaktoren erkennen und minimieren und welche Schritte Sie im Falle einer vermuteten Gedächtnisstörung oder Demenzerkrankung einleiten sollten.
Wissen trifft Praxis
Expertentipps aus erster Hand
In unserer Videopodcast-Reihe „NEURIZONS“ trifft Dr. Bert Vargas auf Expert:innen aus Forschung und klinischer Praxis und spricht mit Ihnen unter anderem darüber, wie Hausärzt:innen die Gehirngesundheit ihrer Patient:innen fördern können, wie die Patient:innen selbst optimal eingebunden werden und warum es so wichtig ist, die Alzheimer-Krankheit möglichst früh zu erkennen.
Für Eilige: Übersichtlich gestaltete Zusammenfassungen unserer Videopodcasts mit allen relevanten Infos für Ihren Praxisalltag gibt es auch zum nachlesen. Einfach anklicken und downloaden:
Risikofaktoren im Blick
Die Gehirngesundheit fördern
Eine Gruppe von Expert:innen hat zuletzt 14 teils modifizierbare Risikofaktoren identifiziert, die in Verbindung mit einem erhöhten Risiko für die Alzheimer-Krankheit gebracht werden können.4
Frühe Lebensphase
- Niedriger Bildungsstand 5 %
Mittlere Lebensphase
- NEU Hoher LDL-Cholesterin-Wert 7 %
- Hörverlust 7 %
- Depression 3 %
- Traumatische Hirnverletzung 3 %
- Körperliche Inaktivität 2 %
- Diabetes mellitus 2 %
- Rauchen 2 %
- Bluthochdruck 2 %
- Adipositas 1 %
- Übermäßiger Alkoholkonsum 1 %
Späte Lebensphase
- Soziale Isolation 5 %
- Luftverschmutzung 3 %
- NEU Sehschwäche 2 %
Dazu kommen genetische Risikofaktoren, allen voran eine bestimmte Isoform des Cholesterintransporters Apolipoprotein E, kurz ApoE. ApoE4 nimmt Einfluss auf den Aβ (Amyloid beta)- und den Tau-Metabolismus, indem es die für die Alzheimer-Krankheit charakteristische Aggregation von Aβ bzw. die Tau-Akkumulation begünstigt. Das Risiko, zu erkranken steigt.11-13
Informieren Sie sich hier darüber, wie Sie Risikofaktoren bei Ihren Patient:innen erkennen und minimieren, wie genetische Faktoren das Erkrankungsrisiko beeinflussen und was präklinische Anzeichen einer Alzheimer-Erkrankung sein können.
Risikofaktoren für die Alzheimer-Krankheit
Was sind Risikofaktoren für die Alzheimer-Krankheit und andere Demenzen und was hat die kardiovaskuläre Gesundheit damit zu tun? Ein Überblick.
Dr. Rosemary Laird über modifizierbare Risikofaktoren
Was sind modifizierbare Risikofaktoren und wie können Ärzt:innen dazu beitragen, das Erkrankungsrisiko Ihrer Patient:innen zu reduzieren? Antworten der Geriaterin Frau Dr. Rosemary Laird.
Diagnostik
Warum die möglichst frühe Diagnose der Alzheimer-Krankheit so wichtig ist
Die Bildung von Amyloid-Plaques und die anschließende Akkumulation von hyperphosphoryliertem Tau-Protein sind Prozesse, die bereits lange vor den ersten klinischen Symptomen der Alzheimer-Krankheit auftreten.1-5,14 Im weiteren Krankheitsverlauf entwickeln sich die neurodegenerativen Veränderungen zeitlich verzögert zur Amyloid-Plaque- und Neurofibrillen-Akkumulation.
Hypothetisches Modell dynamischer Biomarker der pathologischen Kaskade der Alzheimer-Krankheit, beginnend mit der abnormalen Akkumulation von Amyloid und der anschließenden Akkumulation von Tau, die zu MCI und schließlich Demenz aufgrund der Alzheimer-Krankheit führt. Modifiziert nach Jack CR Jr, et al.14
Die Erkrankung verläuft also zunächst im Stillen, bevor Patient:innen erste subtile Veränderungen bemerken. Im klinischen Stadium der leichten kognitiven Störung (MCI) sind Alltagskompetenz und Selbstständigkeit noch weitgehend erhalten. Der Übergang zur leichten Alzheimer-Demenz ist unscharf und bemisst sich daran, wie die Alltagskompetenzen bzw. der einsetzende Verlust der Selbstständigkeit bewertet werden. Die Alzheimer-Krankheit im Stadium des MCI oder der leichten Demenz kann laut aktueller S3-Leitlinie Demenzen zusammengenommen als frühe Alzheimer-Krankheit bezeichnet werden.1
Genau hier setzen die Empfehlungen der S3-Leitlinie (AWMF Leitlinienregister) an, die auf eine möglichst frühzeitige Diagnose der Alzheimer-Krankheit bereits im Stadium der leichten kognitiven Störung setzen.1
Die aktuelle Version der S3-Leitlinie Demenzen - Living Guideline1 finden Sie im AWMF Leitlinienregister.
Frühes Handeln kann einen Unterschied machen
Diagnostik-Pfad bei der Alzheimer-Krankheit1
Eine frühe Diagnose ist vorteilhaft, da Behandlungen, die das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen können, möglicherweise bereits in frühen Stadien der Alzheimer-Krankheit verfügbar sind. Schritte zur Diagnose*: Es sind einige Tests verfügbar, die die kognitive und funktionelle Leistungsfähigkeit beurteilen. Hier sind einige übliche und mögliche Schritte abgebildet:
Im Verdachtsfall empfiehlt die S3-Leitlinie ein dreistufiges Vorgehen:
1. Diagnostik kognitiver und funktioneller Defizite
Klinische Beurteilung der Alltagskompetenz (auch mittels Fremdanamnese) und Objektivierung kognitiver Defizite mittels neuropsychologischer Untersuchung (kognitive Kurztests, z. B. MoCA)
2. Ausschluss sekundärer Ursachen
Klinisches Interview mittels standardisiertem Fragebogen, Blutbild und strukturelle Bildgebung (MRT, CT) zur Darstellung von Atrophiemustern/vaskulären Läsionen und zum Ausschluss raumfordernder Prozesse
3. Biomarker-gestützte Diagnostik
Liquordiagnostik zum Ausschluss entzündlicher ZNS-Erkrankungen und zur Bestätigung oder zum Ausschluss einer Alzheimer-Pathologie; bei unklaren Befunden Amyloid-PET oder FDG-PET anschließen.
* Dies ist nur ein exemplarischer Ablauf der Diagnose. Eine Diagnosemitteilung soll entsprechend der individuellen Situation und Verfassung der Patient:innen erfolgen.1
Weitere Informationen zur Diagnostik der Alzheimer-Krankheit finden Sie auch im alzheimer qualitätshandbuch - eine Initiative entwickelt von den Berufsverbänden BDN, BVDN und BVDP: alzheimer qualitätshandbuch
Wird die Diagnose der Alzheimer-Krankheit gestellt, ist das oft ein Schock für Patient:innen und ihre Angehörigen. Eine wichtige Aufgabe der behandelnden Ärzt:innen ist es, die Diagnose empathisch zu vermitteln und ihren Patient:innen mögliche Therapieoptionen – seien es symptomatische oder krankheitsmodifzierende Therapien – vorzustellen und zu erklären. Ein solches Gespräch schafft die Basis dafür, dass Patient:innen die Erkrankung annehmen können, Orientierung für ihre Lebensgestaltung finden, frühzeitig Unterstützung in Anspruch nehmen können und offen für gemeinsame Therapieentscheidungen sind.15
Die nachfolgenden Materialien veranschaulichen den Diagnosepfad bei Verdacht auf die Alzheimer-Krankheit und können Sie dabei unterstützen, mit Ihren Patient:innen ins Gespräch zu kommen.
Leitfaden mit Kommunikationsstrategien
Die Diagnose „Alzheimer-Krankheit“ patient:innenzetriert und empathisch kommuniziern. Ein Best-Practice -Leitfaden mit Kommunikationsstrategien und Expertenempfehlungen.
Ist es das Alter oder die Alzheimer-Krankheit?
Anzeichen erkennen:
normales Altern vs. mögliches atypisches Altern
Die folgenden 6 Beispiele können helfen, normales Altern von möglichem atypischen Altern, wie es bei der Alzheimer-Krankheit auftritt, zu unterscheiden. Grundsätzlich gilt: Es kommt darauf an, wie häufig und persistierend die Anzeichen bzw. Symptome auftreten und wie stark sie das Leben der Patient:innen beeinträchtigen.16
Normales Altern
Gelegentlichs Vergessen mit späterer Rückkehr der Erinnerung
Mögliches aypisches Altern
Kürzlich gelernte Informationen vergessen, Fragen wiederholt stellen und zunehmend auf Gedächtnisstützen angewiesen sein.
Normales Altern
Gelegentliches Verlegen von Gegenständen, die aber wiedergefunden werden können.
Atypisches Altern
Ständig Gegenstände verlegen und nicht in der Lage sein, diese wiederzufinden; andere des Diebstahls beschuldigen.
Normales Altern
Gelegentlich wird Hilfe bei der Bedienung von elektrischen Geräten benötigt.
Mögliches atypisches Altern
Schwierigkeiten bei der Erledigung vertrauter Aufgaben zu Hause, wie das Erstellen einer Einkaufsliste oder das Erinnern an die Regeln eines Lieblingsspiels.
Normales Altern
Gelegentliche Fehler beispielsweise beim Bezahlen von Rechnungen.
Mögliches atypisches Altern
Schwierigkeiten beim Befolgen eines Plans oder beim Arbeiten mit Zahlen, z. B. beim Nachkochen eines bekannten Rezepts.
Normales Altern
Unsicherheit über den aktuellen Wochentag, wobei sich die Patient:innen später an den richtigen Wochentag erinnern.
Mögliches atypisches Altern
Der zeitliche Überblick sowie das Orientierungsvermögen ist verloren gegangen.
Normales Altern
Irritationen, wenn Gewohnheiten oder Routinen gestört werden.
Mögliches atypisches Altern
Stimmungsschwankungen und Persönlichkeitsveränderungen, z. B.: leichte Erregbarkeit, Verwirrtheit, Misstrauen, Depression, Ängstlichkeit.
Therapie
Aktuelle Therapieoptionen bei der Alzheimer-Krankheit: Ein Überblick
Die leitliniengerechte antidementive Therapie verfolgt das Ziel, kognitive Symptome und Einschränkungen der Alltagsfunktion zu behandeln. Dazu unterscheidet die aktuelle S3-Leitlinie Demenzen drei Ansätze, die in der Regel gemeinsam angewendet werden. Die aktuelle Version der S3-Leitlinie Demenzen - Living Guideline1 finden Sie im AWMF Leitlinienregister: AWMF Leitlinienregister1
- Psychosoziale (nicht-pharmakologische) Interventionen:
Verschiedene kognitive Verfahren, z. B. kognitives Training, kognitive Stimulation, Reminiszenz-Therapie, Realitätsorientierung und kognitive Rehabilitation. Gemäß aktueller Studienlage schwacher Empfehlungsgrad und niedriger Evidenzgrad.
- Körperliche Aktivierung:
Laut Leitlinie mit positiven Effekten auf Aktivitäten des täglichen Lebens.
- Pharmakologische Therapien:
-
Gegen Amyloid gerichtete Antikörper als kausale Therapieoptionen, die unter bestimmten Voraussetzungen in Frage bei erwachsenen Patient:innen mit der klinischen Diagnose einer leichten kognitiven Störung und leichter Demenz infolge der Alzheimer-Krankheit, die heterozygote Apolipoprotein E-ε4 (ApoE-ε4)-Träger oder ApoE-ε4-Nichtträger sind und bei denen eine Amyloid-Pathologie bestätigt wurde.
-
Antidementive Therapien zur Stärkung von Kognition und Alltagsfähigkeit bei leichter bzw. mittelschwerer oder schwerer Demenz.
-
Welche Behandlungsform für Patient:innen in Frage kommt, hängt unter anderem vom Krankheitsstadium ab.1
Die nachfolgenden Materialien können helfen, die Grundlagen für die Einleitung einer geeigneten Therapie zu schaffen und fundierte, individuelle Therapieentscheidungen zu treffen.
Weitere Informationen finden Sie außerdem bei der Medizinischen Information von Lilly: http://www.lillymedical.de/
Video: Das Alzheimer-Qualitätshandbuch
Ein praxistaugliches Arbeitsinstrument von BDN, BVDP und BVDN, das die wissenschaftliche Evidenz der S3-Leitlinie Demenzen in praktikable Handlungsempfehlungen überführt.
Blick in den Praxisalltag: Von Patientenfällen lernen
Service Center
Material für Sie zum Download
Für Ihren Praxisalltag finden Sie nachfolgend praktische Materialien, die Ihnen helfen können, Ihre Patient:innen optimal zu betreuen. Die übersichtlichen Dokumente und Bögen sind auch zum Ausdrucken geeignet.
Bleiben Sie auf dem aktuellsten Stand und entdecken Sie unser Fortbildungsangebot auf dem Lilly Campus.
Zu unserem Angebot auf Lilly CampusAβ – Amyloid-beta
AAIC – Kongress der Alzheimers Association
AD/PD – Alzheimer's Disease / Parkinson's Disease Konferenz
APOE – Apolipoprotein E
APP – Amyloid-Vorläuferprotein
BDN – Berufsverband Deutscher Neurologen
BVDN – Berufsverband Deutscher Nervenärzte
BVDP – Berufsverband Deutscher Psychiater
CT – Computertomographie
CTAD – Clinical Trials of Alzheimer's Disease
FDG-PET – Form der Positronenemissionstomographie (PET) mit Hilfe von radioaktiv markierter 18F-Fluordesoxyglucose (18F-FDG)
MCI – Leichte kognitive Störung (Mild Cognitive Impairment)
MRT – Magnetresonanztomographie
MoCA – Montreal Cognitive Assessment
SCD – Subjektive kognitive Störung
ZNS – Zentrales Nervensystem
- DGN e. V. & DGPPN e. V. (Hrsg.) S3-Leitlinie Demenzen, Version 6.0, 24.02.2026, verfügbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/038-013. Letzter Zugriff: 11.03.2026.
- Porsteinsson AP, et al. J Prev Alzheimers Dis. 2021;8(3):371–386.
- Alzheimer's Association. Alzheimers Dement. 2024;20(5):3708–3821.
- Livingston G, et al. Lancet. 2024;404(10452):572–628.
- Jack CR, et al. Alzheimers Dement. 2018;14(4):535–562.
- Jack CR Jr, et al. Alzheimers Dement. 2024;20(8):5143–5169.
- Hampel H, et al. Mol Psychiatry. 2021;26(10):5481–5503.
- Jeremic D, et al. Ageing Res Rev. 2021;72:101496.
- Aisen PS, et al. Alzheimers Res Ther. 2017 Aug 9;9(1):60.
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- Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. Empfehlungen zum Umgang mit Diagnose und Aufklärung bei Demenz. Letzter Zugriff: 16.02.2026.
- Alzheimer's Association. 10 Early Signs and Symptoms of Alzheimer's and Dementia, verfügbar unter: https://www.alz.org/alzheimers-dementia/10_signs. Zugriff am 16.02.2026.

