Vorurteile sind keine Diagnose.
Adipositas ist eine Krankheit.

Adipositas ist eine progressive, chronische Erkrankung1,2

Adipositas weist ein hohes Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko auf (mehr zu Folge- und Begleiterkrankungen).1 Nach bisherigen Forschungsergebnissen wirken diätetische und verhaltensmedizinische sowie aufwändige Lebensstilanpassungen nur bei wenigen Betroffenen nachhaltig.3 Ein frühzeitiger und konsequenter Behandlungsansatz kann die Gesundheitsprognose deutlich verbessern.4

Starten Sie jetzt mit einem leitliniengerechten Diagnose- und Therapiekonzept.5,6

Ein Gespräch, das nicht warten kann

Medizinisches Fachpersonal spielt eine zentrale Rolle

Über Adipositas zu sprechen, fällt oft schwer - auch im ärztlichen Dialog. Viele Fachkräfte zögern, die Erkrankung zu thematisieren.7-9 Eine erfolgreiche Beratung zum Körpergewicht sollte strukturiert, aber individuell gestaltet sein. Statt sich ausschließlich am BMI zu orientieren, sollten Alter, Lebensumstände und persönliche Bedürfnisse berücksichtigt werden.10

Empfehlungen für die Hausarztpraxis:11

Kommunikation und Motivation im Mittelpunkt

Eine wertschätzende, empathische Arzt-Patient:innen-Kommunikation ist essenziell - besonders bei Menschen mit Adipositas.

Keine Stigmatisierung

Stigmatisierung - etwa aufgrund von Gewicht, Geschlecht, Herkunft oder sozialem Status - muss vermieden werden.

Patient:innen stärken und befähigen

Hausärzt:innen sollen Patient:innen ermutigen, bei den Therapiezielen mitzureden. Selbstwirksamkeit ist zentral für nachhaltigen Erfolg.

Worte wirken. Ermutigen Sie ihre Patient:innen, gemeinsam einen umfassenden, evidenzbasierten Plan zur Gewichtskontrolle zu vereinbaren.12

Video-Vorschaubild zur Adipositas-Behandlung

Proaktive Intervention führt zu Prävention

Adipositas steht mit > 200 gewichtsbedingten Begleiterkrankungen (mehr zu Folge- und Begleiterkrankungen) in Verbindung – viele davon lassen sich durch Gewichtsreduktion positiv beeinflussen.7,8

Die vorrangige Behandlung der Adipositas kann sich positiv auf adipositasbedingte Komplikationen auswirken – denn im Mittelpunkt steht nicht die Gewichtsreduktion, sondern die Förderung der Gesundheit.13

Diagramm zur prozentualen Gewichtsreduktion und gesundheitlichen Verbesserungen bei verschiedenen Erkrankungen
  • # Gewichtsreduktion zur Vermeidung des Übergangs in einen manifesten Diabetes bei Teilnehmenden mit Adipositas und Prädiabetes oder metabolischem Syndrom.
  • Senkung von Nüchternblutzucker und HbA1c-Wert.
  • Erreichen eines HbA1c-Werts ≤ 6,5 %.
  • †† Gewichtsreduktion zur Vermeidung schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse bei Teilnehmenden mit bestehender kardiovaskulärer Erkrankung sowie Übergewicht oder Adipositas – aber ohne Diabetes.
  • ‡‡ Frauen: 5 - 10 %; Männer: 10 %

MASLD: metabolisch assoziierte Steatose-Lebererkrankung; MASH: metabolisch assoziierte Steatohepatitis; PCOS: polyzystisches Ovarialsyndrom; TGs: Triglyzeride.

Proaktive und leitliniengerechte Behandlung6

Die Grundlage jeder Adipositasbehandlung bleibt – gemäß der aktualisierten S3 Leitlinie – die multimodale Basistherapie.6
Sie kombiniert zentrale Elemente:

Ernährungsumstellung
Steigerung der körperlichen Aktivität
Verhaltensmodifikation
Neu

Wenn die Basistherapie allein nicht ausreicht, kann eine medikamentöse Unterstützung sinnvoll sein. Besonders GLP-1-basierte Wirkstoffe haben sich in aktuellen Studien als wirksam erwiesen.6

Die 2025 aktualisierten WHO-Leitlinien beinhalten Empfehlungen für die medikamentöse Behandlung:16*

GLP-1-basierte Wirkstoffe können bei Erwachsenen zur langfristigen Behandlung von Adipositas eingesetzt werden. Intensive verhaltensorientierte Maßnahmen können ergänzend angeboten werden.16

Die ebenfalls 2025 überarbeitet EASO-Leitlinie zur medikamentösen Therapie stellt zusätzlich adipositasbedingte Komplikationen in den Mittelpunkt individualisierter Behandlungsstrategien.5

*Die Empfehlung erfolgt bedingt, da es derzeit nur begrenzte Langzeitdaten zu Wirksamkeit, Sicherheit, Absetzen und Erhalt der Therapieeffekte gibt – trotz belegter Wirksamkeit in der Gewichtsreduktion und metabolischen Verbesserung.16

Worte wirken. Das Gespräch heute starten

Ihr Praxisguide

Über das Gewicht zu sprechen bleibt ein sensibles Thema. Ein einfacher Gesprächseinstieg kann eine Frage sein.17,18

Als Kommunikationstechnik bietet sich auch das sogenannte „Motivational Interviewing“ (MI) an, das als „5-A-Modell“ bereits in anderen Therapiegebieten genutzt wird.10,17

Wären Sie damit einverstanden, kurz über Ihr Gewicht zu sprechen und auch darüber, wie es Ihrer Meinung nach Ihre Gesundheit beeinflusst?
ASK: Erlaubnis einholen
  • Zeigen Sie Mitgefühl und Empathie, indem Sie Patient:innen um Erlaubnis für das Gespräch bitten.
  • Fördern Sie das Vertrauen zwischen Patient:innen und Behandelnden.
ASSESS: Die Patientengeschichte beurteilen
  • Besprechen Sie Ziele, die für Patient:innen wichtig sind.
  • Bestimmen Sie den Schweregrad der Erkrankung.
ADVISE: Zur Therapie beraten
  • Besprechen Sie Lebensstilmaßnahmen: medizinische Ernährungstherapie, körperliche Aktivität, psychologische Beratung und Unterstützungsangebote, pharmakologische sowie chirurgische Behandlungsoptionen.
AGREE: Ziele vereinbaren
  • Erarbeiten Sie gemeinsam mit Patient:innen einen personalisierten, langfristig umsetzbaren Handlungsplan.
ASSIST: Unterstützen bei Ressourcen und Hindernissen
  • Verbessern Sie Fortbildungs- und Informationsangebote für Kolleg:innen.
  • Unterstützen Sie die Bereitstellung von Gesundheitsressourcen, um den Zugang von Patient:innen zu therapeutischen Optionen zu verbessern.

Erfahren Sie mehr über die ganzheitliche Behandlung von Adipositas:

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Adipositas in Deutschland: Eine zunehmende Herausforderung.19

  • Im Jahr 2005 lebten 41,5 % der Frauen und 57,9 % der Männer mit Übergewicht oder Adipositas.
  • Zuletzt waren es bereits 42,5 % der Frauen und 62,4 % der Männer.19

Besonders auffällig: Der Anteil der Menschen mit Adipositas (BMI ≥ 30) hat zugenommen. Dieser Trend macht deutlich:
Adipositas ist eine zentrale Herausforderung für die Prävention und Versorgung.

Statistik zur Entwicklung von Übergewicht und Adipositas in Deutschland von 2005 bis heute

Adipositas ist nicht eine Folge individueller Entscheidungen, sondern eine multifaktorielle Erkrankung.20

Sie resultiert aus einem komplexen Zusammenspiel genetischer, umweltbedingter, verhaltensbezogener und sozioökonomischer Einflüsse.20-24

≤ 70%
des Körpergewichts ist von der Genetik bestimmt

≥ 30%
des Körpergewichts ist von der Umwelt beeinflusst

Infografik zur Pathophysiologie der Adipositas: genetische und umweltbedingte Faktoren

Die wachsende Belastung durch Adipositas geht einher mit einem alarmierenden Anstieg an Komorbiditäten.25,26
Zusammengenommen führen diese jährlich zu über 5 Millionen Todesfällen weltweit.25,26

> 3x
erhöhtes Risiko
  • Typ-2-Diabetes
  • Cholezystolithiasis
  • Dyslipidämie
  • Insulinresistenz
  • Fettleber
  • Schlafapnoe-Syndrom
2-3x
erhöhtes Risiko
  • Koronare Herzkrankheit
  • Hypertonie
  • Gonarthrose
  • Gicht
  • Refluxösophagitis
1-2x
erhöhtes Risiko
  • Karzinome
  • Polyzystisches Ovarialsyndrom
  • Koxarthrose
  • Rückenschmerzen
  • Infertilität
  • Fetopathie

Zur Reduktion des Risikos für Folge- und Begleitkomplikationen kann eine Adipositastherapie in Erwägung gezogen werden (Leitlinie).

Bei der Gewichtszunahme erfolgt die Wiederherstellung des Körperfetts häufig unverhältnismäßig schneller als die Regeneration der fettfreien Körpermasse.27
Dieses bevorzugte „Nachhol-Fett“ wird unter anderem einer erhöhten metabolischen Effizienz zugeschrieben. Es steht im Zusammenhang mit dem Konzept der „metabolischen Adaptation“ bzw. „adaptiven Thermogenese“ – also der Fähigkeit des Körpers, den Energieverbrauch nach starkem Gewichtsverlust langfristig zu senken, was die Wiederherstellung von Fettreserven beim Wiederanstieg des Gewichts begünstigt.27-31

Nur 1 von 5 Menschen kann einen erheblichen Gewichtsverlust langfristig aufrechterhalten.32

Diagramm zur Gewichtszunahme und metabolischen Adaptation nach Gewichtsverlust

Service Center

Material für Sie zum Download

Finden Sie hier hilfreiche Materialien rund um die Behandlung und Betreuung von Adipositas.

Für Ihr Praxisteam:

Vorschaubild Leitfaden: Erstgespräch zur Adipositas-Behandlung

Leitfaden für das Erstgespräch zur Behandlung von Adipositas

Vorschaubild Dokument: Anamnesebogen für Adipositas-Patienten

Anamnesebogen Adipositas

Vorschaubild Infografik: Adipositas als behandlungsbedürftige Krankheit

Infografik: Adipositas – Eine behandlungs- bedürftige Krankheit

Zur Weitergabe an Ihre Patient:innen:

Vorschaubild Broschüre: Informationen über Adipositas für Patienten

Informationen über Adipositas: Broschüre für Patient:innen

Vorschaubild Dokument: Häufig gestellte Fragen zur Adipositasbehandlung

FAQs zur Adipositasbehandlung

Vorschaubild Protokoll: Ernährungs- und Bewegungstagebuch für Patienten

Ernährungs-und Bewegungsprotokoll

Vorschaubild Ratgeber: Herausforderungen beim Abnehmen und Gewicht halten

Die Herausfordungen beim Abnehmen und Gewichthalten

Vorschaubild Ratgeber: Praktische Tipps für Ernährung und Bewegung im Alltag

Tipps: Ernährung und Bewegung im Alltag

Vorschaubild Ratgeber: Kostenübernahme und Erstattung bei Adipositas-Therapie

Tipps: Kosten und Erstattung bei der Adipositas-Therapie

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FAQ

Adipositas ist eine multifaktorielle, chronische Erkrankung, die durch überschüssiges Körperfett gekennzeichnet ist und zu zahlreichen gesundheitlichen Problemen führen kann.33
Beurteilungsgrundlage für die Gewichtsklassifikation ist der Body-Mass-Index (BMI). Übergewicht ist definiert als BMI 25-29,9 kg/m², Adipositas als BMI ≥ 30 kg/m².34
Adipositas steht mit > 200 gewichtsbedingten Begleiterkrankungen in Verbindung. Viele dieser Komplikationen lassen sich durch eine Gewichtsreduktion verbessern.7,8

Zur Beurteilung von Adipositas wird der Body‑Mass‑Index (BMI) herangezogen, der das Gewicht ins Verhältnis zur Körpergröße setzt.6 Er kann ein erster Hinweis sein, um das Thema mit der Patientin oder dem Patienten zu besprechen.

Klassifikation anhand des BMI:6

  • Übergewicht/Präadipositas: 25,0 – 29,9 kg/m²
  • Adipositas Grad I: 30,0 – 34,9 kg/m²
  • Adipositas Grad II: 35,0 – 39,9 kg/m²
  • Adipositas Grad III: ≥ 40 kg/m²

Adipositas ist eine multifaktorielle Erkrankung20 und resultiert aus einem komplexen Zusammenspiel genetischer Veranlagung, Umweltfaktoren, verhaltensbezogener sowie sozioökonomischer Einflüsse.20-24

Eine der Hauptursachen vieler adipositasbedingter metabolischer Komplikationen, ist eine Dysfunktion der Adipozyten (Fettzellen).35,36
Bei Menschen mit Adipositas sind die Adipozyten nicht mehr in der Lage, überschüssige Energie regelgerecht zu speichern. Die Folge sind ektopische und viszerale Fettablagerungen, die Entzündungen und Stoffwechselanomalien verursachen können.13,37
Vor allem physiologische Barrieren erschweren es Menschen mit Adipositas, nachhaltig Gewicht zu verlieren. Hierzu zählt u. a. eine Fehlfunktion der Hunger- oder Sättigungsregulation im Gehirn infolge krankheitsbedingter hormoneller Veränderungen.31

Es stehen für Adipositas verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung:

  • Lebensstilveränderungen (Ernährung, Bewegung und Verhalten):
    Gewichtsreduktion von ø 5 % möglich6,*
  • Medikamentöse Therapie mit Lebensstilveränderungen:
    Gewichtsreduktion von > 10 %38,#
  • Chirurgischer Eingriff (z.B. Magenbypass):
    Gewichtsreduktion von etwa 20-30 % möglich39,40,*,°

* Gewichtsreduktion kann individuell und je nach Lebensstilintervention auch höher oder geringer ausfallen.
# Berücksichtigt wurden Tirzepatid und Semaglutid.
° Abhängig von der gewählten Behandlung.

Adipositas hat Auswirkungen auf verschiedene Organsysteme und steht in Verbindung mit mehr als 200 Begleiterkrankungen.7,8 Dazu gehören Krankheiten wie:

Typ-2-Diabetes, Kardiovaskuläre Erkrankungen, Obstruktive Schlafapnoe, Osteoarthritis, Hypertonie, Dyslipidämie, Metabolisch Assoziierte
Steatose-Lebererkrankung (MASLD), Metabolisch Assoziierte Steatohepatitis (MASH), Polyzytisches Ovarialsyndrom (PCOS) und weitere.

Viele dieser Begleiterkrankungen können durch eine Gewichtsreduktion positiv beeinflusst werden.7,8,13

Durch eine Gewichtsreduktion können viele der Begleiterkrankungen bei Adipositas positiv beeinflusst werden.7,8,13
So kann eine Gewichtsreduktion um ≥ 5 % bis ≥ 15 % bereits viele der adipositasbedingten Komplikationen verbessern:7,13,15,41

  • Bei Gewichtsreduktion ≥ 5 %:
    Lipide (Triglyceride, LDL-Cholesterin), Hypertonie, Glykämische Kontrolle, Risiko für Typ-2-Diabetes;
  • Bei Gewichtsreduktion ≥ 10 %:
    Osteoarthritis, Gastroösophagealer Reflux, Steatohepatitis, Obstruktive Schlafapnoe, Risiko für kardiovaskulärbedingten Tod;
  • Bei Gewichtsreduktion ≥ 15 %:
    Mortalität, Remission des Typ-2-Diabetes
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